Mittwoch, 29. Juli 2009

Jetzt kommt der Film wirklich in den Tank...!

Nachdem ich neulich in eher allgemeiner Weise über das Thema "Filmentwicklung" geschrieben habe, habe ich dieser Tage wieder ein paar Filme entwickelt. Und dabei darauf geachtet, was ich dabei wirklich tue. Weil das Entwickeln von Filmen nämlich eigentlich langweilig ist, geht man bald dazu über, es als mechanisch ablaufenden Routineprozess zu erledigen. Warum ist es langweilig? Im ersten Teil sieht man nichts, weil es dunkel ist, im zweiten Teil ist es hell, man sieht aber trotzdem nichts, weil alles, was passiert, in der geschlossenen Dose stattfindet. Also läuft der Prozess fast automatisch und von ganz alleine, man kann sich natürlich meditativ darauf konzentrieren. Oder man lässt die Gedanken schweifen, hört Musik etc. Das steigert natürlich die Fehlerquote im Prozess. Und das ist fatal, weil sich kleine Fehler meist schon katastrophal auswirken. Obwohl das Entwickeln des Films also nicht gerade ein Blockbuster ist: Konzentration und Sorgfalt. Es dauert auch nicht lange, versprochen:

Bevor es losgeht, muss sichergestellt werden, das die Dunkelkammer wirklich dunkel ist. Also nicht superdunkel, maximal dunkel oder am dunkelsten. Sondern dunkel. Kein Komparativ. Kein Superlativ. Wie "voll". Wenn der Eimer voll ist - und so weiter. Also das Fenster mit dicker Teichfolie oder speziellem Verdunkelungsstoff und Klettverbindung abdunkeln. Ebenso die Türränder und das Schlüsselloch. Am besten Licht aus und ein zwei, drei Minuten warten, bis das Auge sich an die Dunkelheit gewöhnt hat. Wenn man dann noch etwas sieht, dann sieht man gleich, wo noch etwas abzudichten ist. Künstliche Lichtquellen, z.B. die Kontrollleuchte von schaltbaren Steckdosenleisten müssen ausgeschaltet sein. Ebenso die rote Kontroll-LED vom Radio. Dunkel eben. Besonders hinterhältig: (Mobil-)Telefone, die unscheinbar in der Ecke liegen. Und dann, wenn man gerade versucht, den Film in die Spirale zu fädeln, ruft der Nachbar an, das Telefon klingelt und - leuchtet! Ein Film ruiniert. Auch tückisch: der Lichtschalter für die Kammer, der außen angebracht ist. Für Mitbewohner immer wieder verlockend. Oder die Tür, sie von außen zu öffnen ist.

Weil das Einspulen des Films in den Entwicklungstank bei Dunkelheit passieren muss, ist es sinnvoll, vorher alle Utensilien nach einem bestimmten Schema bereitzulegen. Beispielsweise:
Links in einer Reihe liegen fünf Spiralen. Daneben jeweils ein Film. Hinten steht die Entwicklungsdose, darin die Spindel, auf die nacheinander die fünf bestückten Spiralen gesteckt werden. Rechts daneben der Deckel, der die Dose zur Tageslicht-Dose macht. Vorteil: sind die Filme in der Dose und der Deckel darauf, dann kann das Licht angemacht werden, in die Dose kommt kein Licht und die eigentliche Entwicklung kann bei Licht durchgeführt werden. Benötigtes Werzeug: Flaschenöffner zum Öffnen der Patrone (es gibt im Handel auch spezielle Patronenöffner, ich finde, der Flaschenöffner erfüllt diesen Zweck hervorragend) und Schere

Tip: an dieser Stelle unbedingt sicherstellen, dass die Utensilien, insbesondere die Spulen absolut trocken sind! Die Spur von einem Wassertropfen kann dazu führen (und tut dies in der Regel auch), dass der Emulsionsträger aufquillt und der Film sich beim Einspulen verhakt. Und dann hat man ein ernsthaftes Problem. Also im Zweifelsfall mit dem Fön trocknen.

Wenn alles bereit liegt: Licht aus! (Allerdings nicht, ohne das Einspulen vorher mit ein, zwei alten Filmen bei Helligkeit ausprobiert zu haben).

Im Dunkeln dann die erste Filmpatrone finden und den Flaschenöffner. Damit den Boden der Filmpatrone wie einen Kronkorken abheben. Den Kronkorken auf den Boden fallen lassen
(da richtet er keinen Schaden an) und den Öffner zurück an seinen Platz legen. Als ich diese Fotos gestellt habe (Ja, ich gestehe...) habe ich einen alten, seit 10 Jahren abgelaufenen Film verwendet, der unbelichtet war. Im wirklichen Leben spule ich einen vollständig belichteten Film immer komplett in die Patrone zurück. Damit ist die Verwechslungsgefahr (die das Risioko doppelt belichteter Filme birgt) vollständig gebannt. Außerdem muss so ein Kleinbildfilm während seines Lebens sowieso schon zweimal komplett durch das mit Samt belegte "Maul" (ich glaube man nennt das so) der Patrone wandern. Beide Male aber quasi in der hermetisch abgeschlossenen Kamera. Dann fliegt der belichtete Film in die Fototasche und mit etwas Pech setzt sich Staub oder sonstwas in die Öffnung. Wenn man im Labor der kompletten Film nochmals durch diese Öffnung zieht, hat man nachher über die gesamte Filmlänge auf jedem Negativ Telegraphendrähte. Deshalb: Patrone öffnen und Film samt seiner Achse herausnehmen.



Die Patronenhülse auf den Boden fallen lassen, dann hat man den noch aufgespulten Film in der Hand. Rechts ist noch die Filmlasche zu sehen, mit der der Film in die Kamera eingespult wurde. Sie muss abgeschnitten werden. Und zwar zwischen zwei Löchern der Perforation, sonst besteht das Risiko, dass sich der Film beim Aufspulen auf die Spirale verhakt. Man kann den Schnitt nicht sehen, aber - wo man nichts sehen kann, ist fühlen keine Schande...." Keine Sorge: wenn es beim ersten Schnitt nicht klappt. Der "Vorlauf" vor dem ersten Bild ist (natürlich abhängig von der verwendeten Kamera) etwa 5 bis 10 cm lang, das erlaubt einige Versuche.


Jetzt ist der Film fertig zum Einspulen.










Dazu ein Stückchen Film abrollen und auf die Spule legen. Die Jobo-Spulen haben an der Stelle, wo der Film eingefädelt wird, eine entsprechende Verengung/Verbreiterung, darunter den Filmanfang schieben. Mit etwas Glück lässt sich der restliche Film einfach nachschieben, bis er komplett auf die Spule gerollt ist. Wenn es mal ein bisschen hakt: man kann die beiden Spulenhälften gegeneinader verdrehen. Seitlich von außen kann man den Filmrand mit den Fingern jeweils auf der Seite, die gerade gedreht wird, fixieren und damit den Film weiterspulen. Diesen Vorgang auf jeden Fall vorher mit einem alten Film ein paar Mal ausprobieren, bevor der Film von der ersten Landung von Menschen auf dem Mars entwickelt werden soll!


Wenn der Film ganz auf der Rolle ist, nur noch die Filmachse abschneiden. Auf dem Foto kann man ganz gut erkennen, dass der Film bis an den Kern der Spirale gespult ist und dass zwischen den einzelnen "Lagen" genug Platz ist, damit nachher die Chemie gleichmäßig arbeiten kann.








Der aufgespulte Film kommt dann auf die Spindel. Dann kommt der Deckel auf die Dose. Oder noch weitere Filme aufgespult.







Wenn der Deckel drauf ist, dann kann das Licht wieder angeschaltet werden!


Mit ein bisschen Routine lassen sich fünf Filme tatsächlich in wenigen Minuten einspulen. Dann kommt der nächste Abschnitt, die eigentliche Filmentwicklung.

Dienstag, 14. Juli 2009

Kontrast und Kontraststeuerung

Dieser Tage war ich bei GM Foto in Frankfurt. Die gute Nachricht: Stopbad (die Chemie, mit der der Entwicklungsprozess der Filme nach der richtigen Zeit exakt gestopt wird. Basiert auf einer Säure, meist Essigsäure, weil Filmentwickler grundsätzlich basisches Milieu zum Arbeiten brauchen. Neutralisisert man das basische Entwickler-Umfeld durch eine Säure, hört der Entwickler schlagartig auf zu entwickeln. Der Prozess, Silber an den Stellen im Negativ anzusammeln, auf die bei der Belichtung Licht gefallen ist, ist augenblicklich beendet.) gibt es in größeren Mengen vorrätig! Erfreulich: mittlerweile bietet die Firma Tetenal ein geruchsneutrales Stopbad an.

Die schlechte Nachricht: Bisher habe ich Ilfosol S als Standard-Entwickler für HP5 Filme verwendet. Jetzt gibt es den Nachfolger Ilfosol 3, der natürlich besser, schärfer etc. ist und außerdem nach dem Öffnen länger haltbar. Was ist daran schlecht? Der Weg vom Motiv zum fertigen Abzug ist lang und führt über viele Stellen, an denen das Ergebnis beeinflusst werden kann: Die Filmbelichtung mit einer bestimmten Kamera und deren Handhabung bei der der Belichtungsmessung (welche Teile des Motivs werden angemessen, wie werden sie gewichtet), die anschließende Entwicklung nach einem bestimmten Verfahren (Entwicklungszeit, Temperatur, Bewegung der Entwicklungsdose) und die anschließende Vergrößerung.

Vielleicht ist das gut zu vergleichen mit der Überlieferung von Kochrezepten: um zuverlässig das gewünschte Ergebnis zu erhalten, hält man sich am besten präzise an die Mengenvorgaben und an die Garzeiten im Rezept. Eine kleine Abweichung hier, ein bisschen mehr davon, Gasherd statt Elektroherd und schon bekommt man ein anderes Ergebnis. Muss nicht schlechter sein, aber anders. Wenn ein bestimmtes Ergebnis erreicht werden soll, dann ist es unerlässlich, den Prozess, also den Weg zum Ergebnis zu standardisieren.

Übertragen auf die Fotografie: Technisch gesehen liegt das Ziel meist darin, eine gedanklich visualisierte Vorstellung von einem Motiv am Ende des Prozesses auf Papier zu bringen. Oder das systematisches Ausschöpfen des technischen Potentials der analogen Schwarzweiß-Bildspeicherung, vor allem unter dem Gesichtspunkt eines maximalen Tonwertreichtums. Die Erfahrung zeigt, dass Betrachter Aufnahmen als „gut“ oder „richtig“ belichtet empfinden, die den Kontrastumfang des Materials möglichst ausnutzen. Also Aufnahmen, die vom tiefen Schwarz mit Zeichnung bis zum zum hellen Weiß mit Zeichnung alle Motivdetails mit entsprechenden Schattierungen von Grau abbilden. Ein grundlegendes Problem dabei liegt darin, dass "in der Wirklichkeit" also im Motiv sehr große Kontrastumfänge herrschen können. Also der Unterschied zwischen den hellen und dunklen Stellen ist sehr groß. Direkt betrachtet ist das nicht schlimm - das menschliche Auge und die nachgelagerte Signalverarbeitung gleichen immense Unterschiede aus was dazu führt, dass man sowohl im Schatten liegende Motivbestandteile als auch gleichzeitig in der Sonne liegende Motivdetails gut erkennen kann. Beim Fotografieren ist das nicht immer so. Wenn man sich Landschaftsfotos aus dem Urlaub ansieht: der Himmel ist weiß, unterhalb des Horizonts ist die Landschaft passabel abgebildet. Wenn man beim nächsten Mal dann einfach ein oder zwei Blendenstufen "unterbelichtet", dann ist der Himmel gut gezeichnet, man sieht die Wolken schön abgebildet, dafür ist jetzt, man ahnt es schon, die untere Bildhälfte zu dunkel, teilweise nur noch schwarz, ohne Zeichnung. Es liegt also nicht alleine an der Belichtung, aber auch!

An welcher Schraube - neben der Belichtung - kann ich noch drehen? Die Entwicklung des Films wirkt sich besonders stark auf die Stellen im Film aus, auf die bei der Belichtung Licht getroffen ist. An diesen Stellen wird (im Negativ) elementares Silber angelagert, je stärker entwickelt wird, um so mehr Silber, um so dunkler die Stelle im Negativ, also um so heller im Positiv.

Zusammengefasst: Die Belichtung des Films wirkt sich vor allem auf die Schattenpartien (im Positiv) aus. Je länger belichtet wird, um so stärker werden die Schattenpartien aufgehellt. Die Entwicklung des Films wirkt sich vor allem auf die Lichter (im Positiv) aus, je stärker entwickelt wird, um so heller werden die Lichter.

Wo liegt genau das Problem? Das schwarz-weiß-Negativ hat einen sehr großen maximal möglichen Kontrastumfang. Ich weiß nicht ganz genau, wieviele Blendenstufen ein Negativ abbilden kann, also wie weit die dunkelste und die hellste Stelle mit Zeichnung maximal auseinanderliegen können. Aber eines ist sicher: Sie liegen zuweit auseinander, um sie ohne Verluste auf Fotopapier zu übertragen. Daher kommt das Phänomen (s. oben, das Urlaubslandschaftsfoto), dass auf dem fertigen Papierabzug wichtige Bildteile papierweiß und ohne jegliche Zeichnung sind. Und/oder wichtige Bildteile tiefschwarz und ohne jegliche Zeichnung sind: Der Kontrastumfang des Negativs ist zu groß, ein Fotopapier kann maximal neun Blendenstufen mit Zeichnung unterscheiden.

Also muss ich die bildwichtigen Schatten etwas heller (im Negativ dunkler) und gleichzeitig die bildwichtigen Lichter etwas dunkler (im Negativ heller) auf den Film bekommen. Dann ist der Abstand zwischen den dunkelsten und hellsten Stellen nur noch so groß, dass er ohne weitere Maßnahmen aufs Papier passt. Da ich das jeweilige Negativ nur "als Ganzes" belichten und entwickeln kann, muss ich das Ziel der Kontraststeuerung durch Drehen an den beiden genannten Stellschrauben erreichen - länger belichten und weniger stark entwickeln!

Umgekehrt gibt es natürlich auch den Fall, dass das Motiv extrem wenig Kontrastumfang hat. Je nach beabsichtigter Bildwirkung ist es dann sinnvoll, den Kontrast im Negativ zu steigern, indem kürzer belichtet und stärker entwickelt wird.

So ergeben sich unterschiedliche Kombinationen aus Belichtung und Entwicklung, die sich im Ergebnis vor allem im Kontrast des Negativs unterscheiden. Beim Zonensystem wird für jede Aufnahme zunächst der Kontrastumfang im Motiv bestimmt und darauf dann die Belichtung und die Entwicklung des Films abgestimmt. Das funktioniert natürlich nur, wenn ich einen ganzen Film vom selben Motiv unter identischen Lichtbedingungen aufnehme. Oder mit Planfilmen arbeite, dann bekommt jede einzelne Aufnahme ihre eigene Belichtung und Entwicklung. Mit Rollfilmen (egal, ob Kleinbild oder Mittelformat) wird man das Zonensystem in seiner reinen Form also eher nicht anwenden.

Hier ist also eine pragmatische Herangehensweise gefragt. Ich habe für meine "Wertrschöpfungskette" drei unterschiedliche Varianten ausprobiert, mit denen ich unterschiedliche Kontrastumfänge im Motiv berücksichtigen kann eine "normale", eine kontrastverringernde und eine kontraststeigernde. Konkret bedeutet das für den Film Ilford HP5, entwickelt in Ilfosol S, verdünnt 1+9 bei 20° C, Bewegung jeweils 10 Sekunden Kippen am Anfang jeder Minute:

  • Kontrastverringernd: Belichtungsmessereinstellung 100ASA, 3 Minuten 30 Sekunden
  • Normaler Kontrast: Belichtungsmessereinstellung 200 ASA, 5 Minuten 30 Sekunden
  • Kontraststeigernd: Belichtungsmessereinstellung 400 ASA, 8 Minuten

Interessant ist, dass der HP5 Plus eine aufgedruckte Empfindlichkeit von 400 ASA hat. Wenn man ihn mit 400 ASA belichtet (also den Belichtungsmesser auf 400 ASA einstellt) und "nach Vorschrift" entwickelt, dann ist der Kontrastumfang im Negativ zu groß, jedenfalls wenn es sich um "normale" Motivkontraste handelt. Deshalb: eine Stufe überbelichten, also Belichtungsmesser auf 200 ASA stellen und etwas kürzer entwickeln. So ergeben sich dann die Werte in der Tabelle, 200 ASA als Normaleinstellung, 100 ASA nimmt den Kontrast zurück, 400 ASA verstärkt den Kontrast. Wie gesagt - das sind die Werte, die ich ausprobiert habe und die bei mir gut funktionieren, vielleicht kann man sie als Ausgangswerte für eigene Tests verwenden. Man kann sicherlich auch die Werte aus den Beipackzetteln als Startwerte benutzen. Wichtig ist an dieser Stelle: testen, ausprobieren.

Auch wenn es möglicherweise nicht der "reinen Lehre" entspricht, es gibt ja im Positiv-Labor noch ein paar Möglichkeiten, Fehler im Negativ zu kompensieren. Also beispielsweise ein zu kontrastreiches Negativ auf etwas weicheres Papier zu vergrößern. Sollte allerdings eher die Ausnahme sein, weil dabei immer Kompromisse einzugehen sind, beispielsweise in Bezug auf die Tonwerte. Wenn ich 85% meiner Negative auf Papiergradation 1,5 (also auf sehr weiches Papier) vergrößern muss, um ein halbwegs passables Ergebnis zu bekommen, dann stimmt etwas nicht.

Für die ersten Filme, die in meiner neuen Dunkelkammer entwickelt werden, habe ich noch ein paar Flaschen Ilfosol S:
Damit komme ich ein Stück weit, aber ich muss auf jeden Fall eine neue Testreihe mit dem neuen Entwickler machen. Das ist Aufwand - siehe oben - und deshalb ist es zwar schön, dass es einen neuen, verbesserten Entwickler Ilfosol 3 gibt, aber eine schlechte Nachricht, dass es Ilfosol S nicht mehr gibt.

Link zum Thema: Wie kommt der Film in die Entwicklungsdose?

Montag, 13. Juli 2009

Der Schweinehund vor meiner Dunkelkammer oder: Wie kommt der Film in die Entwicklungsdose?

Gestern war Sonntag. Wir hatten ein schönes und entspanntes Wochenende. Besuch von lieben Freunden, die gestern Nachmittag dann zu einem Konzert beim Rheingau-Musikfestival gefahren sind. Also ein Abend ohne Programm. Für mich jedenfalls. Wir sind vor acht Monaten in unsere neue Wohnung gezogen. Sicher, am Anfang haben wir auf einer Baustelle gewohnt. Im März habe ich dann aber angefangen, mein Fotolabor einzurichten. Ging recht schnell. Nur das Primärmerkmal der Dunkelkammer war in der Umsetzung etwas aufwändiger. Aber seit zwei Wochen ist die Kammer dunkel! Kann also losgehen.

Gut eineinhalb Jahre ist es her, dass ich zuletzt Filme entwickelt habe. In dieser Zeit habe ich auch nicht viel fotografiert - wenn ich keine Möglichkeit habe, die Filme zu entwickeln und dann zu vergrößern, schlägt das auf die Motivation. Trotzdem haben sich in dieser Zeit dreißig oder noch mehr belichtete Filme angesammelt. Einige davon habe ich in London belichtet, viele in Frankfurt im Vorbeigehen und bei vielen weiß ich nicht mehr, wo ich sie gemacht habe und was darauf im latenten Bild gespeichert ist. Daher kommt der (innere) Schweinehund, der vor der Dunkelkammertür liegt und mich nicht reinlässt. Damit ist jetzt Schluss. Irgendwie habe ich es gestern geschafft, ihn zu überlisten.

Ich habe zwei Entwicklungsdosen für jeweils fünf Kleinbildfilme zusammengesteckt. In Reichweite gelegt, dazu ein Flaschenöffner um die Kleinbildpatronen zu öffnen und eine Schere. Zur Sicherheit nocheinmal in Gedanken die Abfolge der Handgriffe durchspielen und dann: Licht aus! Zum Glück ist es wirklich dunkel. Der Film darf kein Licht sehen. Sonst hat er hinterher Schleier, die nicht mehr reparabel sind. Deshalb gibt es auch kein Rotlicht. Es ist wirklich dunkel. Dann gehts los: ersten Film nehmen. Flaschenöffner ertasten. Filmkapsel öffnen. Filmspule aus der Patrone ziehen. Den Filmanschnitt so abschneiden, dass der Schnitt genau zwischen zwei Löchern der Perforation verläuft, damit er sich beim Aufspulen nicht verhakt. Filmanfang in die Spule einfädeln, dann Stück für Stück nachschieben. Wenn es mal hakt, den Transportmechanismus der Spule zur Unterstützung verwenden, ist aber nur selten notwendig. Kurz bevor der Film komplett auf der Spule ist, schneide ich die Filmspule, auf die der Film in der Patrone gewickelt war, ab und erfühle, ob der Film tatsächlich richtig aufgespult ist. Er folgt dann den Windungen der Eintwicklungsspirale bis zu deren Kern, hat keine Knicke, keine Spannung und hängt locker zwischen den beiden Spiralhälften. Die Spirale mit dem ersten Film wird auf die Spindel gesteckt und kommt in die Entwicklungsdose. Die folgenden Filme gehen von ganz alleine. Es ist fast ein meditativer Prozess. Volle Konzentration auf einen Vorgang, der sich immer wieder (hier zehn Mal) wiederholt. Und zwar bei völliger Dunkelheit. Trotzdem kann ich vor meinem "inneren Auge" genau sehen, was ich mache ich habe ein vollständiges Bild von den Dingen, die ich gerade tue. Und das, obwohl ich es nur ein oder zweimal mit Testfilmen bei Licht ausprobiert habe. Und das ist ungefähr 24 Jahre her. Alle zehn Filme sind aufgespult und in ihren Dosen, Deckel drauf und - Licht an! Der unschlagbare Vorteil diese Entwicklungsdosen liegt in ihrer Konstruktion. Wenn man sie richtig zusammenbaut und die Filmspiralen auf die richtige Spindel aufzieht, dann kommt in die Dose absolut kein Licht rein. Aber man kann Flüssigkeiten eingießen und wieder ausgießen. Bei Tageslicht!

Tip: Warum kommen nicht alle zehn Filme in eine große Dose und werden dann auf einmal entwickelt? Technisch geht das, ich habe es ausprobiert. Aber: Der Entwicklungsvorgang wird im Ergebnis im Wesentlichen von drei Faktoren bestimmt: der Kombination Film (Sorte, Belichtung)/Entwickler (Typ, Verdünnung), von der Temperatur und von der Entwicklungszeit. Wenn die Entwickungsdose so zusammengesteckt ist, dass zehn Filme übereinander reinpassen, dann ist sie gut 50cm hoch. Man gießt dann den flüssigen Entwickler durch die (relativ kleine) Öffnung. Das kann schon eine Minute dauern. Das bedeutet, dass der Film, der ganz unten in der Dose ist, bereits eine Minute lang entwickelt wird, wenn der letzte Film gerade mit der Entwickler-Flüssigkeit benetzt wird. Bei einer Gesamtentwicklungszeit von beispielsweise 8 Minuten kommt man damit schon zu einer Abweichung von über 10%, die sich im Ergebnis bemerkbar macht. Entweder ist der unterste Film zu stark entwickelt, oder der obere Film zu wenig. Oder beides ein bisschen. Deshalb kommen bei mir nie mehr als fünf Kleinbildfilme auf einmal in den Tank.

Jetzt stehen in meinem Labor zwei Entwicklungsdosen mit jeweils 5 Kleinbildfilmen, die entwickelt werden wollen. Beim Umzug ist die Flasche mit dem Stop-Bad verlorengegangen. Vielleicht war sie auch leer, weiß ich nicht mehr genau, ist zu lange her. Gehe nachher zu GM-Foto in Frankfurt und hoffe, dass sie welches haben. Dann werde ich ich weiter berichten. Vielleicht auch mit ein paar (Digital-)fotos illustrieren.

Link zum Thema Kontrast und Kontraststeuerung

Mittwoch, 1. Juli 2009

Fotos aus Rumänien





Diese Fotos habe ich im Sommer 2007 in Hermannstadt in Rumänien aufgenommen. Wir waren nur einen Nachmittag in der Stadt und nach einer Weile fing es dann auch noch kräftig an zu regnen.

Von Bloggen, Jazzen, Jobben, Fotografieren und Vögeln

Bloggen ist toll! Hab ich gehört. Nicht nur in der Zeitung gelesen. Ich kenne auch Leute, die sowas schonmal gemacht haben. Ganz normale Leute. Eigentlich. An meinem Fenster fliegt gerade eine Möwe vorbei. Bloggen hat etwas Unmittelbares, Direktes, etwas von ich-war-dabei und etwas von den Reportagen aus Krisengebieten. Meistens sind es ganz normale Leute, die bloggen. Wie gesagt. Wie Du und ich. Schon wieder eine Möwe. Ich habe verstanden, es geht beim Bloggen nicht um Sensationen und nicht um Berichterstattung von der Front. Meistens geht es nicht mal um Neuigkeiten. Wer sollte sonst auch die ganzen Zeitungen lesen?

Worüber wird also gebloggt? Über ganz normale Sachen. Sachen, für die der Blogger Leidenschaft und Enthusiasmus entwickelt. Interessiert das irgendjemanden? Weiß man nicht so genau. Wenn man die Statusmeldungen auf den Community- und Statusmeldungs-Portalen sieht und dann noch die Kommentare der anderen User zu den Statusmeldungen: offensichtlich gibt es immer jemanden, der sich dafür intereessiert. Also gibt es bestimmt auch jemanden, der sich für die Dinge interessiert, für die ich mich interessiere.

Jazz. Finde ich sehr interessant. Aber ich kann keine Noten lesen. Ich kenne auch keine Jazz-Musiker. Jedenfalls nicht persönlich. Wird eher schwierig. Ich könnte über meinen Job bloggen. Den finde ich auch sehr interessant. Aber ich habe in einem Blog gelesen, dass die Work-Life-Balance ganz wichtig ist und dass man in der Freizeit einen Ausgleich zum Job suchen muss. Also kann ich nicht über meinen Job bloggen. Was bleibt noch?

Die Fotografie! Die finde ich interesssant, kenne mich ganz gut aus, kann auch über über abseitige Bereiche wie Analogfotografie plaudern und das interessiert bestimmt viele! Ich kann auch hin und wieder mal ein Foto einstellen. Meine Fotos sind immer schwarzweiß und immer analog, also mit Film fotografiert. Ist ein bisschen widersprüchlich? Das Bild entsteht komplett analog. Kommt dann in den Scanner und so werden aus filigranen Silberanhäufungen - Pixel! Mache ich aber nur für den Blog, sonst nicht! Dafür lasse ich in Zukunft auch die Möwen aus dem Spiel!

Lange Rede - kurzer Sinn: Dies war mein erster Blogbeitrag - blogit ergo sum!

Brennweiten - Wie groß ist wirklich groß?

Wie viel Zoom braucht der Mensch? Diese Frage stellen sich täglich tausende angehender, meist Hobby-Fotografen, beim Kauf ihrer Fotoausrüstung. Während sich die einen mit bescheidenen Brennweiten bis 70 mm oder 105 mm begnügen, darf es für den ambitionierten Foto-Storker schon mal eine ordentliche 200 mm, 300 mm oder gar 400 mm Brennweite sein.

Mega-Zooms mit 400 mm Brennweite und mehr werden tendenziell eher von professionellen Sport- oder Tierfotografen eingesetzt, die mit dem Einsatz derartiger Gläser größere Distanzen überwinden und somit sowohl den Erhalt ihrer Gesundheit als auch den ungestörten Spielbetrieb gewährleisten.

Bei den meisten Hobby-Fotografen ist bei 200 (lichtstarken) Millimetern oder bei 300 (im Kit gelieferten) Millimetern Schluss.

Monster-Objektive wie das Sigma APO 200-500mm F2.8 EX DG oder das Canon 1200mm EF galten lange Zeit als das Maß der Dinge in Sachen Wechselobjektive mit gigantischer Brennweite.

Alles Schnee von gestern, Geschichte, aus und vorbei

Der neue König am Brennweiten-Himmel hört auf den Namen

Apo Sonnar T* 4/1700


und wird in Kürze im Hause Carl Zeiss das Licht der Welt erblicken. Das von einem unbekannten Hobby-Fotografen (mit einer scheinbar stark ausgeprägten Supratendenz zur Tierfotografie) in Auftrag gegebene Monster-Baby soll es auf einen stattlichen siebenstelligen Investitionsbetrag bringen.

Think Big", und so lesen sich die technischen Daten dieses Monster-Zooms eher wie die eines Teleskops für eine Sternwarte.
  • 270 KG schwer
  • Brennweite stolze 1.700 mm
  • Blende 4
  • einen separaten Motor für den Autofokus
  • Linsendurchmesse 1/2 Meter

Wer mehr über dieses gigantische Monster-Zoom erfahren will, surft am besten hier (t-online.de), hier (welt.de) oder hier (Carl Zeiss AG) noch mal vorbei.

Freitag, 26. Juni 2009

Wasser - Inspiration für tolle Bilder

Der CANON Newsletter - YOU CONNECT beschäftigt sich in seiner aktuellen Ausgabe mit mit dem Element Wasser. Profis geben Tipp zum richtigen Umgang mit Ausrüstung und Bildkomposition im Zusammenhang mit den nassen Element.

Die CANON Redaktion hat zudem aus einer Vielzahl von Leserbeiträgen die 31 schönsten FotoAabeiten zum Thema Wasser ausgewählt. Hier geht es zur Galerie.

Anmeldung erforderlich

Dienstag, 28. April 2009

Offenbach Streetview April 2009



Offenbach, Streetview, irgendwo im Hinterhof. Nachbearbeitet s/w mit Kontrastintensivierung.

>> Weitere Bilder vom Offenbach Streetview Workshop

Montag, 27. April 2009

Rumänien 2007 - Trip to the past


Klausenburg - Cluj Napoca